Referent

Prof. Dr. Dr. Fritjof Haft

Prof. Dr. Dr. Fritjof Haft,
Normfall GmbH

Titel:
Impulsstatement Paradigmenwechsel: Von der Papier- zur digitalen Akte

Abstract:
Auf dem Weg zur E-Justice ist die Papierakte nicht das Maß aller Dinge. Alle Verfahrensordnungen werden theoretisch durch den Mündlichkeitsgrundsatz beherrscht. Bezugnahmen auf Doku-ente sind eigentlich Ausnahmen von der Regel. In der Praxis hat sich dieses Verhältnis aber umgekehrt, so dass durchweg der Schriftlichkeitsgrundsatz herrscht. Dabei ist eine Papierflut entstanden, die längst nicht mehr zu bändigen ist. E-Justice bietet die Chance, die Ursachen dieser Fehlentwicklung zu bekämpfen. Dabei zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Er wird dazu führen, dass künftig nicht mehr die „Akte“ mit dem „Dokument“ als kleinster Einheit Grundlage der Verfahren sein wird, sondern die „Information“, die über eine „Struktur“ zu erschließen ist. Das Erzeugen von PDF-Dokumenten durch Scannen von Papierakten wird mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Statt dessen werden Informationen von vornherein digital erzeugt und verarbeitet werden.

Juristische Methodenlehre und Rechtsinformatik sind für diesen Paradigmenwechsel nur unzureichend gerüstet. Die „Worthermeneutik“ und das „Informationsrecht“ sind weit von den Anforderungen des Informationszeitalters entfernt. Dringlich erscheint die Bewältigung folgender Aufgaben:

  • Klärung der juristischen Strukturierungsmethode (Informationseinheiten und Relationen)
  • Schaffung entsprechender IT-Tools, die von der Praxis unter Berücksichtigung der richterlichen Unabhängigkeit angenommen werden
  • Zulassung aller Informationsträger und Nutzung von Netzwerken.

Kurzbiografie:
Gründer und Geschäftsführer der Normfall GmbH in München (www.normfall.de); bis 2005 Ordinarius für Strafrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsinformatik an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

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